Beitrag 7. Etappe

7. Etappe  12. Oktober 2020 bis

COVID 19 und die Reise durch die karibischen Inseln

Es ist Montag der 12. Oktober 2020, ein fast schon historischer Tag - Leinen los in der Prickly Bay
Vor 6 Monaten und 22 Tagen haben wir in Grenada einklariert, es wird höchste Zeit das wir uns wieder bewegen. Man hat uns schon mit der Staatsbürgerschaft gedroht.
Wir schauen dem Ende der Hurricansaison entgegen, die offiziell bis zum 01. November geht. Eigentlich war der Plan diese Übergangszeit, bis sich das Wetter stabilisiert hat in den Tobago Cays zu verbringen. Wegen der verschärften Einreisebedingungen haben wir uns dazu entschieden, verschiedene kleine Buchten in Grenada anzusteuern um dann Anfang November in Carriacou auszuklarieren. Unser nächstes Ziel werden wir kurzfristig auswählen, da sich die Einreisebedingungen noch zu oft ändern.
Wir wollen mit unseren Freunden Jodi und Gary von der SY Country Dancer eine Weile zusammen segeln. Der erste Stopp ist die uns schon bekannte Dragon Bay. Kristallklares Wasser, schöne Korallen in vielen Farben und viele bunte Fische haben auch unsere Freund überzeugt ein paar Tage zu bleiben.

20201015 70 Dragon Bay Tauchen nach Mooringblock 2
Im Wasser liegen Mooringblöcke nur ohne Leine. Um die Korallen mit der Ankerkette nicht zu beschädigen, befestigen wir mit einem großen Schäkel unsere eigene Leine an dem Block.

20201018 100 Dragon Bay klares Wasser
20201019 120 Dragon BayKristallklares Wasser um das Schiff.



14. Oktober, heute sind wir, wie ich hoffe, ein letztes mal mit dem Bus nach St. Geroge gefahren um unsere Visas und Cruisingpermit nochmals für einen Monat zu verlängern.





Mit Gary und Jodi gehen wir nochmal zu den Anandale Wasserfällen.

20201020 150 Dragon Bay Wanderung Anandale Falls
Ein etwas abenteuerlicher Start.

20201020 210 Dragon Bay Wanderung Anandale Falls KrankenstationDie Krankenstation unterwegs vermittelt nicht unbedingt ein Gefühl der Sicherheit. Aber besser als nichts und manchmal trügt ja auch der äußere Eindruck.








 20201020 180 Dragon Bay Wanderung Anandale FallsEin Baum voller Karambole (Sternfrucht).
Als ich mir diese Pracht so betrachtete, kam der Eigentümer und hat uns einige Früchte gepflückt.
 20201020 200 Dragon Bay Wanderung Anandale Falls

Oben Links: es gibt nur ein Krankenhaus auf Carriacou, jedoch sind mehrere dieser Krankenstationen über die Insel verteilt wo Krankenschwester ihr Bestes geben. 
 Viele der Leute leben in ärmlichen Behausungen sind aber sehr freundlich, hilfsbereit und geben gerne von dem was sie haben.
20201020 220 Dragon Bay Wanderung Anandale Falls
Am Ziel fallen die Anandale Fälle in eine kleine Pool, der zum Schwimmen einlädt.

 20. Oktober Gary muss zum Zahnarzt nach St George. Deshalb fahren sie zurück in die Prickly Bay. Für "zurück" haben wir keine Lust, insbesondere da eine Schlechtwetterfront ab Donnerstag vorhergesagt ist, die uns dann ca. eine Woche in der Prickly Bay halten würde. Wir brechen auf Richtung Norden, Carriacou in die Tyrrel Bay.

Da wieder Lobstersaison ist machen wir uns auf nach Hillborough zum Fischmarkt. Auf halber Strecke nimmt uns ein Pickup auf der Ladefläche mit. Am Fischmarkt liegt auch schon ein Exemplar von knapp 4 Pfund. Der ist unser!! Da wir zu Fuß sind lassen wir uns den Kerl gleich Küchenfertig machen. Sehr lecker.









Ein kleiner Trost, dass wir noch immer hier hängen, wobei die Wetteraussicht für die kommende Woche nicht unbedingt schön ist.
20201023 Wetter Windy20201023 Wetter Windy2

 

 

 

 

 

 

 


23. Oktober
Auch die Tropical Waves könne starken Wind bringen. So geschehen am Freitag bis Samstagmorgen. Heftige Windböen bis 48 kn und Regen peitschte durch die Tyrrel Bay. Einen extremen Winddreher in Richtung Süd mochte unser Anker nicht so sehr und verlor kurzfristig seinen Halt. Natürlich ist es Nachts, der Ankerwächter schlägt Alarm und schon stehen wir im Cockpit um die Lage zu checken. Falls auch wir, wie schon fünf andere vor uns driften, bleibt nicht viel Zeit um die Maschine zu Starten bevor wir mit einem anderen Schiff kollidieren. Wir sind nicht erkennbar gedriftet, kein Grund zur Panik. Unser Anker hat sich eines Besseren besonnen und hat sich nach ca. 5 m wieder in den Grund vergraben. Dieses war bei meinem Kontrollschnorchelgang am nächsten Morgen deutlich zu sehen.

 Die kurze Wetterpause wollen wir nutzen um nach Petit Martinique zu fahren. An der Nordspitze von Carriacou kommt Alexandra´s kleiner Traum in Sicht. Eine kleine Sandinsel mit einem Sonnenschirm darauf, rundum türkisblaues Wasser. Mopion.
20201026 460 Mopion
Dieses Mal sind Wind und Welle akzeptabel. Wenn nicht jetzt, wann dann?? Also pirschen wir uns in den fremden Hoheitsgewässern von St. Vincent bis auf 50m an die Insel heran. Der Anker fällt auf 11 m und im Anschluss das Dinghi ins Wasser. Eine kleine Insel ganz alleine für uns. Wir baden im seichen, klaren Wasser mit weichem feinem Korallensand.
20201026 410 Mopion
Dann geht es auch wieder weiter, Petit Martinique sind nur noch 3 sm. Der Anker fällt am nahen Ufer, doch er will nicht halten. Also ziehen wir den Anker wieder auf. Kein Wunder, die Ankerkette hat sich um den Anker verknotet. Wie auch immer das passiert ist?? Ich gebe anfangs immer nur so viel Kette wie Wassertiefe. Ich versuche den Knoten zu lösen. Mit der einen Hand den Anker gehalten und mit der anderen den Knoten gelöst. Dann passiert es, ich weiß auch nicht wie, der Anker geht auf Tiefe und kurzfristig verhakt sich der Mittelfinger der rechten Hand in der Kette. Der Anker am Grund angekommen, betrachte ich so den Finger, schaut irgendwie anders aus. Den Finger mit einem Stück Holz und Tape geschient, beraten wir was wir tun. Petit Martinique hat auch nur eine Krankenstation, fällt also aus. Wir holen den Anker, gerade mal am Grund angekommen wieder hoch und fahren zurück nach Hillsborough auf Carriacou. Die haben wenigstens ein kleines Krankenhaus. 17:00 Uhr, wir fragen einen Polizeiwagen wie wir zum Krankenhaus kommen. Steigt hinten ein ich fahre euch. Das Krankenhaus steht hoch auf einem Hügel und die Schwester erwartet uns schon. Das übliche Prozedere mit Personalien, Temperatur und Blutdruck, kurz danach kommt auch schon die Ärztin. Der Finger ist noch dran, also nichts akutes. Morgen Früh zum Röntgen und dann nochmal vorstellen. Man sieht eine kleine Knochenabsplitterung am forderen Glied des Fingers, das Nagelbett ist ringsum verletzt aber sonst scheint alles gut zu sein.
Finger schienen, Antibiotika und Ibus und mit dem guten Rat: ich soll besser aufpassen, werde ich entlassen. Ich würde sagen nochmal Glück gehabt.
20201027 510 Carriacou Sicht vom Krankenhaus
Wunderbare Aussicht vom Krankenhaus

28.10.
Wieder zieht eine Tropicl Wave über uns durch. Wieder peitscht der Regen mit Böen von 45 kn über uns hinweg. Innerhalb 2 Stunden haben wir 150 Liter feinstes Regenwasser aufgefangen. Der Tank ist voll, es kann wieder aufhören.
Wir gehen noch am Fischmarkt vorbei und schauen was es gibt.
20201028 520 Hillsborough Conch klopfen 2
Hier wird Lambifleisch der Conchmuschel weich geklopft.

Um 10:30 Uhr sollen die Lobster kommen. Da warten wir doch gerne noch etwas.
20201028 540 Hillsborough Fischmarkt Lobster 2





















Na gut, überredet, es gibt Lobster.

29. 10.
Wir haben die Einreisegenehmigung für Domenica bekommen. Gleich mache ich mich daran, das Wetter der nächsten Tage zu betrachten. Noch ziehen immer wieder Gewitter mit Schauerböen durch. Am Mittwoch 04.11. scheint sich ein größeres Fenster aufzumachen. Das gibt Hoffnung, das wir doch noch vor Weihnachten hier weg kommen.
20201103 570 Tyrrel Bay Abschied im FrogsWir klarierten schon am 03. November aus und nehmen noch einen Abschiedstrunk im Frogs, beim Seglertreff. 
20201103 572 Tyrrel Bay Abschied im Frogs
Am 4. November vormittags machten wir die Molly seeklar und lichten den Anker gegen Mittag. Der Plan war bei durchschnittlich 4 kn Fahrt am Freitagmorgen in Roseau Dominica einzulaufen und auch einzuklarieren. Doch Plan und Wirklichkeit differieren manchmal weniger und manchmal mehr. Anfangs war die Abweichung vom Plan etwas weniger später aber dann um so mehr.
Mit mehr Wind als vorhergesagt waren wir deutlich schneller als geplant. Dennoch hatten wir 2 schöne Segeltage entlang von St Vincent, St. Lucia und Martinique in den Süden von Dominica.
20201104 583 Tyrrel Bay nach Dominica
Mit einem schönen Sternenhimmel und gegen später einem ¾ Mond war das wieder einmal eine schöne Nachtfahrt.
Mit einem Amwind Kurs und der entsprechenden Welle von der Seite, etwas holprig aber ok. Zwischen den Inseln bildeten sich die bereits bekannten Düsen, der den Wind auf 35-37 kn ansteigen ließ. Statt der geplanten Ankunft von ca. 6 Uhr morgens machten wir schon am Donnerstagnacht um ca. 22 Uhr an einer Mooring fest.










20201105 600 Dominica Vorbereitung zur Ankunft

Das Wasser in der Bucht von Roseau ist sehr tief und in der Nacht hatten wir keine Lust einen geeigneten Ankerplatz nahe dem Ufer zu suchen. Wir hatten alles aufgeklart, noch ein Bierchen getrunken und sind dann schlafen gegangen.
Am nächsten Morgen der Gang zu Custom. Ab hier weichen wir so weit vom Plan ab wie noch nie.
Nach einigen Telefonaten des Custom-Mitarbeiters, sollten wir unverrichteter Dinge zurück an Bord und auf die Coast Guard warten.


20201106 630 Dominica Roseau Verhandlung mit Coast Guard
Gesagt getan, die kamen auch zeitnah. Grundsätzlich seien alle Häfen von Dominica wegen des Virus gesperrt. Mit unserer Einreisegenehmigung widersprachen wir jeglichem bekannten Protokoll.

Nach weiteren etlichen Telefonaten hatte uns die Coast Guard dann nach Portsmouth im Norden der Insel verwiesen. Dort könnten wir einklarieren und den für die Einreise notwendigen Corona-Schnell-Test machen. Inzwischen ist es Freitag 13 Uhr und die 20 sm nach Portsmouth schaffen wir nicht um noch während der Öffnungszeiten anzukommen. Dennoch werden wir an der Custompier noch vorstellig und treffen noch einen Mitarbeiter an. Dieser war sichtlich nicht erfreut über unseren Besuch, da keiner etwas über das Onlineportal und diese Art der Einreisegenehmigung wusste. Der Health Officer wollte auch gerne alle Dokumente in Papier, was wir natürlich ohne Drucker an Bord nicht hatten. Wieder wurden wir auf unser Schiff zurückgeschickt und sollen warten bis wir durch die Coast Guard oder den Behörden kontaktiert werden.
Heute ist Sonntag, da wird nicht viel passieren. Wir stellen uns erst einmal auf Montag ein und erledigen ein paar Pflegearbeiten.
20201108 660 Dominica Portsmouth 2Über Funk wurden wir zu einem Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums gerufen, etwas Hoffnung flammte auf. Die Ernüchterung folgte sofort, die Dame kam ohne einen wirklichen Plan, stellte die gleichen Fragen wie schon der Port Officer und Custom und schickte uns zurück an Bord. Die noch in Grenada aufgeladene SIM-Karte funktionierte hier nicht. Über Umwege hatten wir jemanden Geld zugesteckt, der dann eine andere SIM Karte aufgeladen hat.













Dienstagmorgen, noch immer kam keine Bewegung in das Einreiseprozedere. Mehrere Telefonate ergab, eine Einreise nach Antigua ist möglich. Wir müssen vor Ort einen PCR-Test (Corona-Test) machen. Der Wetterbericht versprach gutes Wetter, was den Startschuss zum Seeklar machen gab. Gegen Mittag waren wir fertig und gingen Anker auf für 106 sm nach St. Johns Antigua. Auf der Route hatten wir die Passage zwischen Dominica und Guadeloupe und eine längere offene Passage nach Guadeloupe bis Antigua, wo wir mit stärkerem Wind rechnen. So hatten wir zu Schonung der Genua das Starkwindsegel aufgezogen. Bei 30 -35 kn Wind und ca.1,5 m See war das 2 Reff im Groß und die Fock eine gute Wahl. Mit bis zu 7 kn Fahrt kamen wir unserem Ziel schnell näher. In der Abdeckung von Antigua beruhigte sich Wind und See sehr schnell so dass der Anker um 10 Uhr im Hafenbecken von St. Johns fiel.
20201108 670 Antigua Quatantne Ankerplatz
Mit unserer Einreisemappe machte ich mich auf zum Health-, Habour-, Custom- und Immitrationoffice.
Wie, sie haben keinen PCR-Test???
Hier können sie keinen machen !!!!
Die Lösung ist eine Quarantäne von 14 Tagen, wobei uns die 7 Tage auf See nach Ablegen in Grenada anerkannt werden. Wir bekommen Unterstützung bei der Beschaffung einer Antigua SIM-Karte und ein paar frischen Lebensmitteln. Na gut, was bleibt uns anderes übrig.

20201108 690 Antigua Quatantne Ankerplatz

Fazit: Für jede Insel ist zu Einreise ein PCR Test empfehlenswert. Egal was auf der offiziellen Homepage steht, egal was dir jemand am Telefon erzählt.

 

 

 

 

 

St Johns ist ein Tiefseehafen, in dem nur die Frachter oder Kreuzfahrer anlegen. Somit ist der Hafen in normalen Zeiten nicht unbedingt ein lohnendes Ziel. Einklarieren ist normalerweise auch in Jolly Habour ober English Habour möglich. Wir sind froh, dass wir überhaupt einklarieren können. Nach 7 Tagen auf See und 7 Tagen Quarantäne sind die Vorräte aufgebraucht. Mit Dosenfutter könnten wir zwar noch eine Weile überleben, doch frische Lebensmittel schmecken besser.
18. November
Heute dürfen wir einklarieren, was auch ohne Probleme funktioniert.
Es sind vier Stationen zu durchlaufen. Health Authority ist zu Zeiten Corona neu hinzugekommen. Danach die bekannten Stationen Port Authority, Immigration und Custom.
Nach der langen Zeit auf Grenada völlig ungewohnt, geht es auf Erkundungstour. Fischmarkt, Gemüsemarkt und Supermarkt. Das Angebot ist etwas begrenzt und wir können unsere Vorräte hier nicht komplett ergänzen. Im Segelführer wurde der Supermarkt Eqicurean empfohlen. Wegen der eingeschränkten Bewegungsfreiheit der letzten 14 Tage haben wir uns zu einem Fußmarsch (45 Minuten) entschieden. Dieser Supermarkt lässt keine Wünsche offen. Nachdem alle Vorräte aufgefüllt sind, machen wir uns am Samstag 21. November auf, in eine nur 3 sm entfernte aber sehr schöne Bucht, Deep Bay. Auf 4 m Wassertiefe fällt vor einem Sandstrand der Anker.

In der Mitte der Bucht liegt ein Wrack, das wir die nächsten Tage erkunden wollen.